26.11.2008

los gehts…

Die letzte Woche war ich mal wieder in Roorkee und habe 6 Tage nur im Labor gehockt, um sämtliche Wasserproben zu untersuchen. Das war nicht die spannendste Aufgabe für mich, schließlich bin ich nicht gerade ein Chemiecrack. Aber im Endeffekt war es mal ganz cool zu lernen, wie man Wasser auf seine Bestandteile analysiert. Leider waren die Ergebnisse schrecklich. Die Grenzwerte werden teilweise gar nicht eingehalten und überschreiten des Öfteren den dreifachen zulässigen Wert.

Über das Wochenende waren wir weiter südlich unterwegs, um weitere Proben in verschiedenen Dörfern zu nehmen. Seitdem die Industrie dort entstanden ist und immer weiter wächst, ist die Wasserversorgung einfach grauenhaft. Die Fabriken schleusen ihr Abwasser ungefiltert in die umliegenden Flüsse. Ich hatte den Eindruck, dass ich kein Wasser sondern Erdöl untersuche. Der Gestank am Fluss war einfach nur zum Kotzen.
Ich hoffe, dass wir mit unserem Bericht etwas in den Medien erreichen können. Aber so wie es mir erzählt wurde, ist den Politikern die momentane Situation bekannt. Was sollen da so kleine Dörfer gegen so eine korrupte Regierung nur tun?
Die Einwohner waren mal wieder voll dabei und erwiesen ihre Dankbarkeit dadurch, dass sie uns alle fünf Minuten zum Teetrinken überreden wollten.

Am Sonntag wurden wir von Herrn Kumar nach Haridwar eingeladen. Er arrangierte überraschender Weise ein Treffen in einer Schule. Die Direktorin empfing uns sehr herzlich und präsentierte ihre Schule. Sie hielt es für eine gute Gelegenheit, dass wir ein bisschen über Deutschland und unsere Kultur erzählen – eine sehr gute Idee. Als ich jedoch in der Aula vor hunderten Schülern reden sollte, war mir auf einmal ganz anders. Es kamen einige  Schüler nach vorne und überreichten uns mehrere Blumensträuße - ich wurde behandelt, als hätte ich  ihre Stadt gegründet. Der Anfang war natürlich schwer und wir waren beide aufgeregt. Aber nach dem wir ein wenig  über die Arbeit und uns erzählt haben,  wurde alles ganz locker. Die Schüler waren wirklich aufgeweckt und es wollten immer mehr Kids Fragen stellen. Sie wollten viel über die Arbeit und die Deutschen erfahren. Aber natürlich auch, wie ihr Land auf uns wirkt. „Was würdet ihr am liebsten mit nach Deutschland nehmen.“, teilweise auch absolut lustig: „Wieso seid ihr die besten Fußballer der Welt“. Oder geil war auch: „In der Wüste ist es immer so trocken, könnt ihr da nicht was machen?“ Nach 2 Stunden wurden wir von der Direktorin erlöst, obwohl die Kids noch nicht genug hatten. Leider kam das peinlichste noch zum Schluss - wir sollten noch was singen.

Insgesamt war es einfach ein richtig interessanter und lustiger Vormittag mit den Schülern und den Lehren. Vor allem war uns die Direktorin sehr dankbar. Als Abschiedsgeschenk bekamen wir ein Küchenset, bestehend aus Glasgeschirr - ich hab mich wirklich gefreut, aber wie krieg ich das nach Deutschland?

Ich bin auch Herrn Kumar für diesen genialen Einfall dankbar, damit konnten beide Seiten die Kultur etwas mehr kennen lernen.

Anschließen ging es in den Nationalpark, um vergebens Tiger und Elefanten zu sehen. Dafür gab’s ne coole Reise durch den indischen Dschungel und am liebsten wäre ich natürlich wieder selbst offroad gefahren.

Gestern sollte es nun endlich mit unserem Brunnen („Koop“) losgehen – und:

ES GING LOS!!!

cimg8789-large.jpgWirklich krass. Das Taxi kam pünktlich, es waren ein Bagger und genügend Arbeiter da und das Wichtigste natürlich, die Materialien wurden alle geliefert - prima Jungs, es geht doch. Nun haben wir zwei lange Tage bis zur Finsternis gearbeitet und wir sind schon mit dem Gröbsten fertig. Unglaublich, man quält sich schon über einen Monat mit diesem Projekt rum und dann läuft alles wie am Schnürchen. Bis nächste Woche werden wir den Koop dann noch untersuchen, ob auch unser Konzept zu einer Verbesserung geführt  hat.

Ende nächster Woche werden wir uns verabschieden und die letzten zehn Tage noch mal entspannt Urlaub machen - die ganz Zeit noch mal Revue passieren lassen, bevor es wieder nach Deutschland geht.

 

13.11.2008

Ohne Plan!!!

Nachdem wir kräftig Dewali gefeiert haben, dachte ich eigentlich, dass wir nun mit unserem Hauptprojekt, dem Brunnenbau beginnen können. Leider vergesse ich jedes Mal, dass ich in Indien bin! Anfang letzter Woche ist nun endlich unser Geotextil (Textil, welches in unserem Fall den Fließweg des Wassers verlängern soll, um eine bessere Filterwirkung zu erzielen) gekommen. Die Qualität ist zwar nicht sonderlich gut, aber was soll man machen. Zunächst sind wir erst einmal froh, so etwas ran bekommen zu haben. Nun wollten wir tatkräftig ans Werk gehen…denkste. Uns wurde gesagt, dass wir noch gar nicht den Kies haben - zum verrückt werden. Den speziellen Kies bekommt man angeblich nur aus dem Süden. So konnten wir immer noch nicht beginnen. Die Lieferanten garantieren uns aber, dass wir am Montag alles bekommen. Montag haben wir dann telefoniert und uns wurde gesagt, dass dieses Material gar nicht lieferbar ist. Einfach zum Ausrasten.

Wie es nun mit unseren Brunnen weiter geht, weiß ich nicht - aber eins ist klar: Wir werden bis Ende November niemals fertig und somit können wir unsere letzen zwei Wochen nicht mit Reisen verbringen. Und falls wir es doch noch bis Ende November alles auf die Reihe bekommen sollten, sind sowieso schon alle Züge ausgebucht und die Flüge sind unbezahlbar. Wir sind nun mal gezwungen, flexibel zu bleiben.

tehli-large.jpg

Damit wir nicht die ganze Zeit hier sitzen und auf irgendwelche andere Hiobsbotschaften warten, sind wir Ende letzter Woche tiefer ins Gebirge gefahren, um Handpumpen auf Wasserqualität zu untersuchen. Es ist schon immer lustig, wenn man seine Geräte auspackt und von jetzt auf gleich stehen eine Schar Inder um dich herum und wollen wissen, was du da machst. Alle packen mit an und schauen auf die Pipetten oder Geräte. Jeder will die Handpumpe bedienen. Es sind einfach immer sehr nette Beobachtungen, die man mitnimmt.

kleinigkeit-large.jpg

In Srinagar, einer kleineren Stadt kurz vor dem Entspringen des Ganges, sollten wir für die Ingenieure noch weiter Pumpentest machen. Wir versuchten mit Erfolg, die richtige Pumpenfördermenge zu ermittelt, damit nicht immer Luft in die Leitung kommt. Leider war das Hotel eine absolute Katastrophe. Was heißt „Hotel“, es erinnerte mich eher an ein Gefängnis. Die Fenster hatten kaum noch Scheiben, das Regal war aus Beton und die sanitären Anlagen waren eine Katastrophe.  Ich kann es gar nicht beschreiben - jede Bahnhofstoilette ist dagegen ein Traum.

Weiter ging’s über etliche Serpentinen rauf nach Mussorie, um noch weitere Wasserproben von Bergdörfern einzusammeln, aber immer mit einer schönen Aussicht auf schneebedeckte Sechstausender am Horizont.

Da wir sowieso keine Arbeit in Dehradun haben, entschieden wir uns, eine Nacht länger in Mussorie zu bleiben, um mit unseren anderen beiden Kumpanen, die auch von unserer Hochschule ausgesandt sind, ein bisschen Zeit zu verbringen. Auch wenn es nur kurz war,  hat mir die Bergstadt Mussorie mal wieder richtig gut getan. Die Stadt ist am steilen Hang auf 2000 m erbaut und es gibt noch viel Architektur aus der Zeit der Briten. Das Wichtigste aber ist, dass die Stadt relativ sauber und vor allem ruhig ist. Der Lärm ist weg und man konnte mal wieder durchschlafen bzw. die Seele baumeln lassen.

dsci0037-large.jpg

Nun sind wir wieder in Dehradun und morgen haben wir erstmal eine Besprechung, wie es nun weiter gehen soll. Ihr seht: Gut läuft die Arbeit einfach nicht. Zudem ist sehr ärgerlich, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit unser Urlaub flöten geht - ich wollte so gerne noch den Süden kennen lernen.
Naja, mal schauen. Mein Professor meinte nur, dass er im Januar und Februar für uns noch Verwendung in Sri Lanka hätte für ein weiteres Brunnenprojekt, aber das steht noch alles in den Sternen. Schließlich muss ich ja auch noch eine Prüfung Ende Februar schreiben. Außerdem freue ich mich auch schon wieder auf Euch und meine gewohnte Umgebung, obwohl ich weiß, dass das Fernweh schneller wieder kommen wird, als man es denkt.

2.11.2008

Dewali

p1010568.jpgDewali - das Fest aller Feste, ist der Höhepunkt des Jahres für die Inder. Man feiert 3-4Tage die Wiederkehr eines Königs aus dem Exil. Die ersten Tage werden wie wild Geschenke ausgetauscht und „Happy Devali“ gewünscht - so war es zumindest im Büro. Die Geschenke sind nicht sehr einfallsreich. Entweder schenkt man sich eine große bunte Pralinendose oder Geld. Die Pralinen schmecken scheußlich süß und bestehen fast nur aus Zucker.

Abends sind die meisten Leute auf den Straßen zu finden und böllern wie bekloppt. Wenn ich böllern meine, dann ist das kein Vergleich zu den Knallern, die man in Deutschland oder in der Tschechei kaufen kann, sondern noch mal einen Tick größer und vor allem lauter. Die Raketen explodieren ohrenbetäubend in der Luft und die Knaller kann man eigentlich nicht mit einem Feuerzeug starten. Die meisten Inder werfen eine Wunderkerze auf die Knaller, damit sie zumindest einen kleinen Abstand bewahren können - unglaublich die Dinger !!! Die Teppich-Knaller sind meist bis zu 10 Meter lang und dauern 1-2Minuten.

Wir wurden zum diesem Höhepunkt zu einem Ingenieur aus der Firma eingeladen und feierten mit der Familie zusammen. Während wir vom Gastgeber mit einer Champagnerdusche durch seinen Garten gejagt worden sind, zündeten seine Kinder und Neffen eine Rakete nach der anderen vor der Straße - ein sehr  cooler Abend mit reichlich gutem Essen und Alkohol.

2.11.2008

Roorkee

Wir mussten für ein paar Tage nach Roorkee, um dort unsere Wasserproben ins Labor der Universität zu bringen. Wirklich coole Uni mit einem richtig geilen Campus. Das elektronische Gerät, das alle Werte auf einmal ausspuckt, war natürlich kaputt und somit mussten die Laboranten alle Tests mit Hand erledigen, was für uns bedeutete, dass wir einen Tag länger bleiben mussten.
Glücklicherweise war an diesem Wochenende ein riesengroßes Campusfest. Studenten strömten mit Bussen aus allen Richtungen nach Roorkee. Veranstaltungen, wie Bandwettbewerbe, DJ’s, kleinere Spiele mit Gesichtern bemalen usw. standen auf dem Tagesplan - natürlich alles ohne Alkohol (im Ernst). Nachdem wir an den Einlässen uns nicht mit einer Eintrittskarte ausweißen konnten, bekamen wir Exoten eine Sondereinladung vom Veranstalter. Echt nett die Leute - man muss sich nur unterhalten. Insgesamt war das Fest dann doch nicht unser Geschmack, aber man kam mal wieder mit jüngeren Leuten ins Gespräch.

Zurzeit sind wir mal wieder am Warten. Ja genau, wir warten immer noch auf die Genehmigung und das Geld, damit der Brunnenbau nun endlich starten kann. Während dessen sind wir immer wieder mal im Gebirge unterwegs, um Bäche und Flüsse zu untersuchen und Wasserproben fürs Labor einzusammeln.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Jedoch kann auch dort einiges schief gehen - wir sind ja schließlich in Indien. Also gut, wir wurden früh abgeholt, um mal wieder 6 Stunden durch unwegsames Gelände zu laufen. Als wir schon fast am Ziel waren, erfuhren wir, dass Madison (dessen Aufgabe bestand darin, die Probeflaschen mit dem Gebirgsflusswasser zu füllen  (nicht sehr schwierig!!!!!!), die Proben falsch beschriftet hat. Anstatt bei Messstelle 11 war er nach seiner Beschriftung nur bei  Messstelle 9 und hat Nummer 6 und 7 doppelt beschriftet. Was da los war, muss ich euch ja nicht erklären. Naja, dies bedeutete: noch mal den ganzen Weg zurück zu laufen.

Am Ende waren wir alle froh am Auto zu sein und endlich wieder ins zurück ins Gästehaus zu fahren. Der Fahrer teilte uns dann mit, dass er zu wenig Benzin hätte. Er hatte von der Firma kein Geld für Benzin bekommen - natürlich sagte er auch kein Wort, weil es ja schließlich sein Chef war. So wurden wir auf der Fahrt in die Stadt gezwungen, links ranzufahren. Während der Fahrer im Motorraum irgendwas rumwirkte, saßen wir am Seitenrand und machten Späße über unsere übelsten Reifen (ein  Wunder, dass die noch gehalten haben). Nach 10 Minuten lief der Wagen wieder. Fragt mich bitte nicht warum - er erzählte uns, dass er irgendeine Pumpe an oder ausgeklemmt hätte. Auf jeden Fall lief der Wagen mit mehrmaligem Verrecken bis in die Stadt - ab zur nächsten Tankstelle.
In der Stadt wollten wir noch ein wenig was zum Abendbrot kaufen. Als wir vom Einkauf zurückkamen, stand der Fahrer vor unserem Auto mit einem Plattfuß. Mehr als lachen konnten wir nicht. Also schnappten wir uns ne Rikscha, die uns DIREKT zu unserer Unterkunft brachte.

p1010213-large.jpg Nach einer spektakulären Landung zwischen den Berggipfeln sind wir gut in Leh gelandet. Wir wurden mit 5°Celsius und extrem trockener Luft im Himalaja empfangen. Klimatisch gesehen das genaue Gegenteil von dem, was wir bis zu diesem Zeitpunkt aus Indien kannten. Die Stadt Leh ist einfach wunderschön. Sie ist umgeben von überwältigenden Bergmassiven und einem extren blauen Himmel. SO unfassbar schön - wie im Märchenbuch. Wir sind zwar einer der letzten Touristen in dieser Stadt, aber wir genießen die fast schon heilende Ruhe und die idyllischen Herbsttage.

So schön wie die Stadt sind auch die Leute. Wir erleben hier „klein Tibet“. Selbst die Straßenverkäufer sind sehr entspannte Menschen und haben immer ein nettes Lächeln auf den Lippen. In den Gesichtern kann man nur gute Absichten erkennen.
Gerade der erste Tag waren sehr anstrengend für unseren Körper. Immerhin befinden wir uns hier auf 3500 m Höhe. Jede Treppe wird zu einem Hindernis und zwingt zu einer kurzen Pause. Man spürt, wie das Herz mit der Höhe kämpft. Da hilft es auch nicht, dass man am Fuße des Erzgebirges lebt ;-)

Das Highlight unseres Urlaubs war jedoch unsere zweitägige Jeep-Safari ins Nubratal. Dafür mussten wir auf 5300 m aufsteigen, um die Ladakhgebirgskette zu überqueren. Nun können wir stolz darauf sein, die höchste Straße der Welt befahren zu haben. Als wir Schneekette anlegen mussten, kam mal wieder das Kind in uns durch und wir veranstalteten eine Schneeballschlacht. Jedoch waren wir nach einer Minute fix und alle und wurden von der dünnen Luft zum Remis genötigt. Auf 5300 m merkten wir jeden Schritt und ein Kribbeln in den Beinen. Während unser Herz mit der Höhe kämpfte und ich mir eine Dolormin einwarf, um meinen Kreislauf in Schwung zu bringen, pausierte der Fahrer mit einer genüsslichen Zigarette. Unbegreiflich, wie die Menschen die Höhe gewöhnt sind.

Wir wurden mit einer unbeschreiblichen Aussicht beschenkt. Aber mal ganz ehrlich, das Gefühl, das man dabei spürt, kann ich gar nicht in Worte fassen. So eine Weite, die man dort über dem Himalaja zu sehen bekommt - unbeschreiblich schön.

Dank des guten Fahrers konnten wir voll die Landschaft genießen. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich ein Faible für geländefähige Autos habe und somit war auch die Fahrt über die Serpentinen ein Hochgenuss.

Als wir dachten, das Schönste schon erlebt zu haben, wurden wir noch mal von der Landschaft im Nubratal überrascht. Des Weiteren wurden wir im Nubratal  sehr nett von Mönchen in buddhistischen Klöstern empfangen, Wir genossen einen Ausritt zwischen den Höckern auf  übrig gebliebenen Kamelen aus der Zeit der Seidenstraße.

Die 5 Tage im Himalaja zeigte mir mal wieder eine ganz andere Seite von Indien. Mit Überzeugung kann ich behaupten, dass diese Zeit die beste in meiner Indienzeit bis jetzt gewesen ist.

Nun ist unser Kurzurlaub zu Ende und wir fliegen mit krassen Eindrücken wieder zurück in die Hitze zu den Moskitos –

Die Arbeit ruft!

Mehr Fotos vom Himalaya gibts hier in der Galerie!

Anfang des Monates sind wir weiter Richtung Norden nach Dehradun gezogen, um dort andere Arbeiten zu machen. Wir beide sind froh, dass wir endlich aus Haridwar rausgekommen sind. Dehradun ist zwar viel größer aber auch wesentlich sauberer als Haridwar. Uns wurde ein kleines Häuschen zu Verfügung gestellt. Das Coolste jedoch ist, dass uns zwei Haushälter/Bedienstete zur Verfügung stehen, die uns bekochen und sich um andere kleine Besorgungen kümmern. Dadurch brauchen wir nicht jeden Tag ins Restaurant zu rennen und sparen dazu noch Geld und Zeit. Leider können die beiden mal wieder kaum englisch (?) und Essen kann man schlecht mit Fingern beschreiben.

In den ersten zwei Tagen versuchten wir, mit den Ingenieuren geeignete Standorte für neue Brunnen in den Bergen zu finden.

Die Tage darauf haben wir Wasserproben und Sofortparameter an Gebirgsflüssen genommen, da diese sehr hohe Sulfatwerte haben. Nun warten wir erst die Laborergebnisse ab, um weitere Untersuchungen durchzuführen.

Die Dörfer in den Bergen leiten nun mal alles Abwasser bergabwärts. Bei den Arbeiten stellte sich mal wieder heraus, dass alles ewig in Indien dauert. Egal, ob das sehr lange Fahrtwege aufgrund von schlechten Straßen sind oder es das sinnlose Rumgelabere von den Ingenieuren ist. So ist das halt, wenn man sein Praktikum in einem staatlich-indischen Unternehmen macht. Es kommt auch vor, dass man 30 Minuten auf den Fahrer warten muss, da dieser nicht im Auto sitzt, sondern in der Bar eine Straße weiter seinen Tee schlürft. So sind die Arbeitstage sehr lang, ohne wirklich was geschafft zu haben. Des Weiteren merke ich besonders hier in Dehradun, wie die Hierarchie die Arbeit lähmt - wenn der Häuptling der Wasserversorgung sagt, dass wir 4-5 Wasserproben nehmen sollen, dann dürfen es auch nicht mehr sein, obwohl man schon bei den ersten Messungen merkt, dass man mehrere nehmen muss, um vernünftig damit arbeiten zu können. Aber dann hat kein Ingenieur vor Ort den Mumm in der Hose, sich über die Aussage des Chefs hinweg zu setzen, dann muss erst wieder 2 Stunden zurück ins Büro gefahren werden, um sich eine neue Genehmigung einzuholen. Na ja, ihr merkt schon, dass mich so was manchmal nervt.
Die letzten Tage haben wir deren Brunnen geplant bzw. verbessert, um bessere Wasserwerte zu erlangen. Die Planungen werden nun von unserem Professor in Dresden kontrolliert und eventuell noch erweitert. Ich hoffe, dass bis nächste Woche alles fertig ist und die Bauarbeiten beginnen können, die wir dann auch kontrollieren sollen.

neu-adobe-photoshop-image-kopie.jpg

Beim Abstieg im Gebirge habe ich mir leider das Knie aufgeschlagen - eine kleine Platzwunde. Einheimische schmierten mir auch gleich Kräuter und Alkohol auf die Wunde, um die Blutung zu stillen - hat aber nicht lange geholfen.
Herr Sadhu bestand dann noch darauf, ins Krankenhaus zu fahren, um die Wunde eventuell nähen zu lassen. Mit dem Gedanken konnte ich mich nicht so ganz anfreunden - was sich im Krankenhaus dann auch bestätigte: keine Verhältnisse, wo ich mich eigentlich behandeln lassen wollte, sehr dreckig und auf keinen Fall so, wie man das aus Europa kennt. Nach mehrmaliger Nachfrage garantierte mir aber der Arzt, dass sie sterile Handschuhe bei mir benutzen. Ich war heil froh, als der Arzt mir mitteilte, dass es nicht genäht werden muss - sonst hätte ich da noch mal antanzen können zum Fädenziehen. Insgesamt habe ich für die Behandlung 1,60 € und für das Antibiotika und Verbandzeug noch mal 4,00 € bezahlt. Spott billig!!!

Gestern sind wir mal wieder nach Dehli getourt, in einem mindestens 40 Jahre alten Bus, um Roberts Eltern zu empfangen. Wir hatten leider den Deluxebus verpasst. Die siebenstündige Fahrt ging ganz schön auf die Knochen - die Sitze hatten nicht einmal eine Kopfstütze, dafür haben wir einen absolut netten südafrikanischen Musiker kennen gelernt.

Heute haben wir noch mit Roberts Eltern eine Delhitour unternommen. Für die nächste Woche werden sie dann eine geführte Rundreise im Osten Indiens unternehmen und ihren Urlaub genießen - hoffentlich. Jedoch waren sie zunächst sehr geschockt über Delhi und kamen aus dem Staunen nicht raus. So ging es uns ja auch am Anfang.

Ab heute kommen nun fünf Feiertage hintereinander und somit haben auch wir wieder Zeit, das Land weiter zu erkunden. Heute Nacht fliegen wir nach Leh, einer Stadt in der Kashmirregion, sie ist eine der höchstgelegenen ständig bewohnten Städte der Erde auf  ca. 3600 m Höhe. So können wir auch mal das beeindruckende Himalajagebirge sehen. Christian und Freddy haben uns die Reise mit Erzählungen und Fotos schon schmackhaft gemacht!  Von dort aus werden wir dann mit einem Jeep noch ein Stückchen weiter rollen. Mal schauen, wie wir mit der Höhe zurechtkommen.

Ich werde mindestens noch bis Ende Oktober, wenn nicht sogar bis Mitte November in Dehradun zu tun haben. Die Internetleitungen in dieser Stadt sind nicht zumutbar. Wir haben schon bei einfachen E-Mails unsere Probleme. Also ich weiß leider nicht, wann ich das nächste mal wieder posten kann.

Seid alle lieb gegrüßt. Bis denne…

Am 23.09. ist nun endlich Herr Sadhu von meiner Hochschule angereist. Er ist Halbinder und fährt jedes Jahr zu dieser Zeit für ein paar Wochen nach Indien, um einige Kontakte zu pflegen. Des Weiteren ist er hier, um organisatorische Sachen bezüglich unserer Arbeit zu klären.

Mit ihm und unserem Chef, Herrn Kumha, fuhren wir am Abend eine gute Stunde nach Rooki, um dort mit Moslems den Ramadan zu feiern. Es war zwar nur ein kurzer Aufenthalt, aber es ist immer wieder interessant für uns, andere religiöse Feste mit zu erleben und ein Stückchen mehr in die hiesige Kultur einzudringen. Als  Gäste werden wir auch immer wieder ganz besonders nett empfangen.

cimg6463.jpgAm 25.09.  fuhren wir dann früh mit Zug nach Delhi um Freddy und Christian zu treffen. Am Abend kam es nun zum großen Treffen. Die Freude war groß, als ich die beiden gesund und munter wieder sah. Es gab viel zu erzählen. Die beiden haben wirklich in den drei Wochen jede Menge erlebt. Am nächsten Tag wagten wir uns gemeinsam in die Märkte von Old Delhi. Dort gibt es verschieden Märkte in Branchen kategorisiert. Viele interessante Dinge, aber leider auch nicht immer oder eher selten original. In Indien muss man immer auf der Hut sein, damit man nicht übers Ohr gehauen wird. Das Handeln ist hier Pflicht, sonst bezahlt man auch gerne mal mehr als das Doppelte. Interessant sind auch immer wieder die Dienstleistungen, die an der Straße angeboten werden. Vom sich wiegen lassen über sich die Ohren reinigen lassen bis hin zur Zahnprothese bekommt man alles auf der Straße. Am Abend mussten wir uns leider wieder verabschieden. Unser Bus fuhr die ganze Nacht zurück nach Haridwar.

In Haridwar ohne Schlaf angekommen, ging es direkt weiter nach Dehradun, um den Häuptling der Wasserversorgung unseres „Bundesstaates“ zu treffen und unsere weiteren Aufgaben zu besprechen. Die Aufgaben sind sehr interessant. Wir sollen als Nächstes einen Vorzeigebrunnen bauen, der begehbar sein soll. Dabei soll für Außenstehende die Filterwirkung der Erdschichten deutlich werden. Also, wir dürfen richtig kreativ werden. Die Kosten sind denen auch egal. Wir sind jedoch sehr skeptisch, ob die Bauausführung in diesem Land möglich ist, da es schon schwierig, hochwertigere Materialien ran zu bekommen. Auf jeden Fall sind wir sehr motiviert, die beste Lösung zu finden.

p1000721.jpgAm gleichen Abend fuhren wir wieder im Bus die Nacht durch gen Delhi. Wir wurden nämlich 2 Tage zuvor auf dem Hauptbasar angesprochen, ob wir Lust hätten, in einem Bollywoodfilm als Statisten mitzuspielen - na klar!!! Erst wurden wir beim Hindigottesdienst mit Foto in der Zeitung erwähnt und nun in der Filmbrache. Jetzt kommen wir ganz groß raus ;-)
Der Sanhu hatte schon Angst, dass wir abgezockt werden, was für Indien auch nicht untypisch ist. Der Lohn war zwar nicht so groß, aber es reichte für die Hin- und Rückreise mit dem Deluxebus. Nun haben wir schon 3 Nächte im Bus verbracht. Aber was macht man nicht alles um was zu erleben. Insgesamt war es sehr interessant mal zu sehen, wie so ein Film gedreht wird. Der Regisseur war sehr charismatisch und man sah, dass er Spaß an seiner Arbeit hatte. Leider kannte man keinen der Superstars aus Bollywood - man erkannte sie nur an den ganzen schreienden Fans. Am Ende war es doch ein wenig langwierig und man hoffte immer wieder, dass es die letzte Aktion sei.

Am heutigen Tag sind wir wieder dabei, einen 24h-Pumpentest zu machen und so komme ich auch wieder dazu, euch was zu schreiben.
Leider hatten wir heute schon eine Bekanntschaft mit einem kleinen Skorpion gemacht -  ab jetzt werde ich öfters mal auf den Boden schauen.

cimg6193.jpgDie Tage werden nun langsam kälter und letzten zwei Tage hat es auch immer wieder mal heftig geregnet. Aber was mich gar nicht so sehr stört, da so der Staub und die unangenehmen heißen Temperaturen verschwinden.
Am Donnerstag haben wir unseren Professor kurz auf der Durchreise am Bahnhof getroffen. Doch konnte der uns für die nächsten Tage keine weiteren Aufgaben stellen. Genaures werden wir dann Anfang nächster Woche erfahren. Haridwar ist leider auch nicht so groß und mittlerweile wissen wir auch noch nicht so recht was wir die nächsten Tage anstellen sollen - aber wir werden uns schon die Zeit vertreiben.

Das Rikschafahren ist nicht immer so einfach. Wir verstehen nicht wie die Taxifahrer ihren preis berechnen bzw. versuchen uns auch viele über den Tisch zu ziehen. So kommt es immer wieder zu Diskussionen. Hinzu kommen immer wieder die Sprachbarrieren. Oft wissen sie gar nicht wo wir eigentlich hin wollen. Jedoch ist die Infrastruktur sehr einfach gestrickt und somit können wir den Fahrern immer wieder zeigen wo wir hin wollen. Es ist auf jeden Fall immer wieder ein Abenteuer mit bis zu 12Personen in einem pologroßem Automobil zu fahren.

Nach drei langen Nächten Arbeit konnten wir nun endlich unsere Ergebnisse dem Chef präsentieren. Er war überaus zufrieden mit unserer Arbeit, was uns frohen Mutes stimmte. Demzufolge bekamen wir eine weitere Problemstellung, die wir lösen sollten.

p1000483.jpgAm darauf folgenden Tag wurde die Arbeit im Büro niedergelegt - denn es war eine Betriebsfeier angesagt. Wir wurden am Vormittag mit dem Motorrad von zwei Leuten abgeholt und zum Festgelände gebracht. Bis Mittag wurden religiöse Rituale veranstaltet - mit Blumen in den Händen halten und Getreide ins Feuer hauen. Die Feier wurde mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen. Danach war Zeit für Gespräche. Das Problem ist nur, dass nur wenige Leute ein paar Brocken Englisch sprechen. Wir hoffen, dass die Leute nächste Woche in Dehradun besser englisch sprechen können, damit wir auch unsere Sprache verbessern können. Am frühen Nachmittag wurden wir dann  wieder nach Hause chauffiert.

Den restlichen freien Tag nutzten wir zum Besuch eines Tempels, der über den Bergen der Stadt liegt. Ein schrecklicher Tempel - sah so aus wie ein Industriegebäude, leider auch nicht gepflegt und mit vielen Verkaufsständen zugepflastert. Zusätzlich musste man aufpassen, dass die ganzen Affen einem die Taschen nicht klauen.  Jedoch wurden wir mit einem schönen Panorama belohnt. Dank des guten Wetters konnten wir sogar schon die Vorläufer des Himalajas erkennen.

hhh2.jpg

Kategorien